Heinrich Neuy


Heinrich Neuy (27.07.1911 – 24.03.2003) studierte von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau. Nach einer Tischler- und Holzbildhauerlehre besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Krefeld, lernte hier Gestaltungsregeln und Ordnungsprinzipien kennen, die die Schlichtheit der Form zur Leitlinie erklärten.

Heinrich-Neuy-Juni-1981Schon 1929 entwarf Neuy einen sowohl als Stuhl wie als Spielgerät nutzbaren Kinderstuhl aus Leder und Stahlrohr sowie einen Tisch, die für die industrielle Serienproduktion geeignet waren. Inspiriert von der Ausstellung „10 Jahre Bauhaus“ im Folkwang Museum in Essen bewarb sich der damals 19-jährige Neuy in Dessau. Den Vorkurs absolvierte er 1930 bei Josef Albers. Es folgten Kurse u.a. bei Wassily Kandinsky, Joost Schmidt, Fritz Kuhr, Karlfried Graf von Dürkheim und Mies van der Rohe. „Was Mies van der Rohe sagte, war von einer Klarheit, die war zwingend“ erinnerte Neuy.

1932 setzte kehrte er in die Werkstatt seines Vaters zurück und legte die Meisterprüfung im Tischlerhandwerk ab. Er heiratete 1937 und übernahm die Tischlerei und das Geschäft Möbel und Kunsthandwerk seines Schwiegervaters. 1947, nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft, führte er den Betrieb weiter. 1960 begann er wieder mit Ausstellungen seiner künstlerischen Arbeiten.

Als Maler und Zeichner richtete Neuy sein Interesse vor allem darauf, durch Form und Farbe Phänomene wie Charaktereigenschaften, Jahreszeiten und insbesondere musikalische Klänge sichtbar zu machen. Dem Aquarell räumte er in seinem Werke besonderen Raum ein.

Maßstab ist die Natur - Unzulänglich werden wir Menschen ins Leben gestellt. Unlänglich ist auf Vollkommenheit bezogen. Das sollten wir sehr ernst sehen. Trägheit ist gegeben, damit wir in ihrer Überwindung zu Charakter kommen. (Heinrich Neuy)

Werdegang im Detail


1911 Heinrich Neuy wird am 27.Juli im Wallfahrtsort Kevelaer am Niederrhein geboren
1925 Beginn einer Tischlerlehre. Am Weihnachtsabend bekommt Heinrich Neuy seinen ersten Malkasten und beginnt, ermuntert durch den Landschaftsmaler Josef Pauels, mit Landschafts- und Portraitstudien
1928-30 Nach Abschluss der Tischlerlehre Besuch der Kunstgewerbeschule in Krefeld. Die dort entstandenen Möbel- und Einrichtungsentwürfe zeichnen sich durch klare Funktionalität und Strenge aus. Heinrich Neuy erhält eine Auszeichnung für besondere Leistungen im Freihandzeichnen
1930-32 Heinrich Neuy ist Studierender am Bauhaus in Dessau, u.a. bei den Architekten und Künstlern Wassily Kandinsky, Josef Albers, Hinnerk Scheper, Lilly Reich, Ludwig Hilberseimer, Ludwig Mies van der Rohe. Der Kurs in Psychologie wird von Dr. Karlfried Graf Dürckheim geleitet. Aufgrund der sich zuspitzenden politischen Situation läßt sich Heinrich Neuy im März 1932 für ein praktisches Seminar beurlauben, kehrt aber nicht ans Bauhaus zurück. Erst mehr als 50 Jahre später soll er das Bauhaus wieder besuchen
1932-37 Weitere Tischlerausbildung und Übernahme der Tischlerei seines Schwiegervaters in Borghorst
1940-44 Kriegsdienst als Luftwaffensoldat
1944-46 Amerikanische Kriegsgefangenschaft in vier verschiedenen Lagern. In Wyoming und Nebraska skizziert er Portraits von Kameraden, die er Jahrzehnte später einmal zu einer Bilderserie mit Köpfen aus geometrischen Mustern verwendet
1946 Englische Kriegsgefangenschaft. Heinrich Neuy liegt mit einer Beinentzündung im Lazarett und hat das Glück, einem älteren schottischen Militärarzt zu begegnen, der ihm die Möglichkeit und das entsprechende Material verschafft, seine abstrakte Malerei fortzusetzen. Es entstehen 5 „Gewitter“-Bilder, sowie umfangreiche Zyklen zu den Themen „Lyrik“ und „Freude“. Im Oktober kehrt er aus der Gefangenschaft nach Borghorst zurück
1947 Wiederaufnahme des Tischlereibetriebs und Tätigkeit als ausbildender Meister
1960 Wiederbeginnende Ausstellungstätigkeit. Beginn der „Beweisenden Malerei“
1970 Mitgliedschaft im Welbergener Kreis
1971 Heinrich Neuy beginnt die Aquarellserie „Architektura“
1982 Beginn der Zusammenarbeit mit dem in Borghorst lebenden Komponisten Buster Flood, der Heinrich Neuys Bilder vertont, während sich dieser von den Musikstücken zu bildhaften Kompositionen inspirieren läßt
1987 Heinrich Neuy beginnt den Zyklus „Klassische Charakterbilder“
1989 Eröffnung einer eigenen Galerie
1991 Verleihung des Kulturpreises der Stadt Steinfurt
1994 Heinrich Neuy kehrt nach 62 Jahren mit einer eigenen Bilderausstellung an das Bauhaus Dessau zurück
1996 Anläßlich seines 85. Geburtstages wird das von Heinrich Neuy geschaffene Kunstobjekt „Energie, Rechtschaffenheit, Aktivität“ ihm zu Ehren feierlich enthüllt. Im selben Jahr erhält Heinrich Neuy den Kulturpreis des Kreises Steinfurt
2001 Eine Grundschule in seinem Heimatort wird nach Heinrich Neuy benannt
2003 Heinrich Neuy ist am 24. März verstorben
2005 Die Heinrich-Neuy-Stiftung wird von der Bezirksregierung Münster als rechtsfähige Stiftung anerkannt
2011 Am 01. Juni wird das Heinrich Neuy Bauhaus Museum in Borghorst/Steinfurt eröffnet